Das Beste kommt zum Schluss!

Nach acht Monaten in Down Under ist es jetzt tatsächlich so weit. Wir sind in Cairns. Endstation. Den halben Kontinent haben wir bereist und können es fast nicht glauben, dass wir mit Cairns den letzten australischen Ort für eine gewiss sehr lange Zeit sehen werden. Einen von so vielen wundervollen Orten. Wir waren in großen Städten wie Sydney und Melbourne, am Uluru, dem Wahrzeichen der Aboriginies, wir standen auf unseren Surfbrettern an den schönsten Stränden Australiens und setzten sogar auf die ein oder andere Insel über. Ein Reiseziel topt das Andere, und doch ist uns seit dieser Woche klar: Es gibt eine Sache auf dem roten Kontinent, die MUSS man gemacht haben.

Es heißt ja bekanntlich: Das Beste kommt zum Schluss. Während sich der Eine beim Essen den leckersten Bissen für den letzten Gabelstich aufhebt, folgen wir demselben Prinzip auf unserer Reise. Und wahrhaftig wartete in Cairns ein gewaltiger „Leckerbissen“ nur noch darauf, von uns verschlungen zu werden. Die Rede ist vom größten Lebewesen der Welt, dem „Great Barrier Reef“.

Entlang der Ostküste haben wir ja schon Bekanntschaft mit dem Reef, einem der sieben Naturweltwunder gemacht. Mit Brille und Schnorchel konnten wir vor einigen Wochen einige Ausläufer des Großen Reefs bestaunen, aber „einfach nur Schnorcheln“ wird dem großem „Leckerbissen“ für den Schluss dann doch nicht gerecht. Also gehen wir noch einmal in die Vollen. Endspurt!

Teil 1: Im Pool mit dem Ninja-Meister!

Für schlappe 850 Dollar wartet in Cairns ein fünftägiger Tauchkurs auf uns. Zwei Tage Pool und drei Tage Reef klingen so verlockend, dass wir fast schon spontan direkt am ersten Tag, einer Buchung nicht mehr wiederstehen können. Der erste Blick auf das Konto danach ist zwar etwas ernüchternd, doch nach den fünf Tagen ist uns mittlerweile klar: Jeder Cent hat sich gelohnt.

Bei strahlendem Sonnenschein geht es also schon wenige Tage später los zum „Pro Dive Center“. Unsere hohen Erwartungen werden allerdings erst einmal gedämpft als klar wird, dass wir die ersten vier Stunden nur im Klassenraum verbringen werden. Aber Theorie muss sein. Und so lernen wir alles über Auftrieb, Druckausgleich und die richtige Ausrüstung. Nach vier Stunden wird unsere Truppe von zwölf Backpackern allerdings so unruhig, dass unser japanischer Ninja-Meister und Dive-Instructor namens Massa beschließt, dass sich das Pooltraining nicht mehr länger hinauszögern lässt. Aus Sicherheitsgründen werden wir alle in „Buddy“ – Teams aufgeteilt mit denen wir das ganze Wochenende über Tauchen werden. Und so machen sich Hauke und Max, sowie ich und mein schwedischer Tauch-Buddy Anton uns daran unsere Ausrüstung fertig zu machen. Gewichte – Check, BCD – Check, Gasflaschen – Check und endlich ab ins Wasser. Bevor es an unsere Sicherheitsübungen geht dürfen wir erst einmal ausprobieren. Also: Kopp unter Wasser und Atmen. Hört sich etwas komisch an, und tatsächlich ist es das auch. Anders als beim Schnorcheln werden wirklich alle Gesetzte der Logik gebrochen und kurzzeitig wollte ich tatsächlich auftauchen, einfach weil ich ja schließlich für gewöhnlich keine Luft mehr haben müsste. Doch nach kurzer Zeit gewöhne ich mich an diesen Sieg über das Wasser und hatte gar keine Lust an die Oberfläche zu kommen als Massa uns zusammen ruft.

Ab jetzt warten mehrere Übungen auf uns. Unter Wasser die Maske leeren, die Luft mit dem Buddy teilen oder unsere „Luftweste“, den BCD, mit exakt so viel Luft zu füllen, dass wir nicht mehr aufsteigen, geschweige denn sinken, sind die ersten Übungen, die wir problemlos meistern. Den ersten drei Übungen folgen acht weitere und den ersten paar Minuten Taucherfahrung folgen drei weitere Stunden die so schnell vorüber ziehen wie ein vorbei fahrender Schnellzug. Mittlerweile ist es fünf Uhr nachmittags und ein kurzes Päuschen lässt uns klar werden, wie anstrengend das Alles war. Der Weg ins Bett ist also kurz, ebenso wie die Nacht.

Um fünf Uhr geht unser Wecker, kurze Zeit später steht das Taxi vor der Tür und bevor wir uns versehen haben sind wir schon wieder in voller Ausrüstung im Pool. In voller Montage fühlen wir uns mittlerweile richtig wohl und wenn ich heute in den Pool springe möchte ich am liebsten wieder meinen BCD haben, um mich entspannt treiben zu lassen. Ninja-Meister Massa war am Vortag auch so zufrieden mit uns, dass wir sogar die komplette Zeit im Pool zum Ausprobieren haben. Nur leider geht auch diese Zeit viel zu schnell um. Beim Mittagessen kommen wir mit den anderen Backpackern ins Gespräch und die Gruppe rückt etwas näher zusammen. Bevor es dann zur theoretischen Abschlussprüfung geht, machen wir aber noch einen Abstecher zum Diveshop. Geschickt eingesetzte Werbepropaganda zwingt uns fast schon hier ein paar Moneten liegen zu lassen zum Preis einer Nagelneuen Tauchmaske. Die Meisten von uns wiederstehen dann aber doch der extrem großen Versuchung und machen sich mit den Leihmasken auf den Weg zur Prüfung. Diese wird ausgeteilt, der Instructor verlässt den Raum, fast keiner mogelt und alle bestehen – welch Überraschung. Aber das Beste ist: Jetzt stechen wir endlich in See!

Teil 2: Findet Nemo!

Blau. Überall nur Blau. Und wenn ich blau sage dann ist es fast schon untertrieben. Das Wasser um uns herum  ist so klar und so blau wie wir es zuvor noch nie gesehen haben, als wir am Samstagvormittag das Great Barrier Reef erreichen. Hinter uns liegen drei Stunden raue See die wir, dank Reisepillen, problemlos überstanden haben. Und der gute Herr Carl sogar am souveränsten! Doch daran wird kein Gedanke mehr verschwendet. Viel zu groß ist die Aufregung. Nur noch wenige Minuten trennen uns von unserem ersten Tauchgang. Anton und ich helfen uns eilig in die Westen, ein kurzer Check und Team Schweden ist bereit! Ein kurzer Blick zu den anderen verrät mir, dass diese schon auf uns warten. Und so geht es los. Massa hinterher, Brille festhalten, Atemgerät in den Mund und dann ein Sprung in eine andere Welt.

Was uns hier erwartet ist wirklich anders. Schon beim Abstieg kommen uns zahlreiche bunte Fische entgegen und wir müssen aufpassen, dass wir das Atmen nicht vergessen. Am Grund zeigt uns unser Ninja noch ein paar Sicherheitsübungen und dann geht er los – der Weg durch die Korallen. Alleine das Gefühl 18 Meter unter der Wasseroberfläche zu atmen gibt uns schon einen gewissen Kick, welcher allerdings noch durch die atemberaubende Umgebung gesteigert wird. Gleich beim ersten Tauchgang erwartet uns ein Rochen der gelassen über den Meeresboden gleitet. Aber natürlich halten wir die Augen auch die ganze Zeit auf der Suche nach Bekanntem offen, auf der Suche nach Nemo. Den sehen wir zwar noch nicht, dafür aber die vergessliche Dori die nur kurz vor uns aufgeregt durch eine Koralle schwimmt. Nur ein paar Sekunden haben wir Zeit diesem hibbeligen Fisch beim „einfach schwimmen, schwimmen schwimmen“ zu betrachten, bis Massa uns weiter führt tief ins dunkle Blaue hinein. Bevor wir uns versehen sind wir nur noch auf fünf Meter Tiefe, auf der wir einen Sicherheitsstop von drei Minuten einlegen um jeglichen Taucherkrankheiten vorzubeugen. Voller Euphorie tauchen wir an die Oberfläche. Auf dem Deck herrscht erst einmal großes Getummel. Jeder erzählt jedem was für Fische er alles gesehen hat, wie viel Luft er verbraucht hat, wie tief er gegangen ist und letzten Endes wie überragend der erste Tauchgang unseres Lebens war.

Vom Taucheranzug geht’s in die kurze Hose und von da aus in den Speisesaal. Ein fettes Buffet steht bereit. Genau das Richtige nach einem Tauchgang und so verschlingen die 24 Taucher das Essen innerhalb weniger Minuten. Mit vollen Bäuchen sitzen wir da, in der Stimmung für einen kleinen Mittagsschlaf. Aber dafür haben Scubadiver keine Zeit. Die See ruft. Also auf ein Neues: Equipment an, Maske auf und rein ins Blaue.

Im Grunde kann man unsere Tätigkeiten während der drei Tage sehr schnell zusammen fassen. Tauchen – Essen – Schlafen. Aus dem Wasser geht’s an die Speisetafel von da aus ins Wasser und nach einigen Wiederholungen in die Koje. Lediglich spät abends haben wir noch mit unseren Tauchkollegen auf dem Deck gesessen, ein bisschen geplaudert und dabei auf die tief schwarze See geguckt, in der sich der Vollmond(!) spiegelte.

Insgesamt sprangen wir neun Mal in die Tiefe während der kurzen Zeit. Nach vier Tauchgängen war unsere Lernzeit vorbei und Massa gratulierte uns zu unserer offiziellen Tauchlizenz. Hauke und Max stockten ihre Lizenz für ein paar extra Dollar sogar noch auf, um am nächsten Morgen auf satte 30 Meter zu tauchen. Für mich ging’s nur noch mit meinem „Buddy“ ins Wasser, auf eigene Tour, nur unser Navigationssinn und einen Kompass dabei.

Und jedes Mal war mir klar: Besser kann’s hier unten nicht werden. Aber unsere Tauchlehrer haben sich das Beste für den Schluss aufgehoben. Und so wurde es von Tauchgang zu Tauchgang atemberaubender bis wir schließlich in den letzten beiden Tauchgängen durch eine Korallenlandschaft geschwommen sind, wie man sie sich schöner nicht vorstellen können. Die Korallen in bunten Farben umhüllt von noch farbenfroheren Fischen. Ein unvergessliches Bild. Trompetenfische, eine Muräne, Kugelfische, mehrere Feuerfische und vieles mehr haben wir gesehen. Und sogar der gute Nemo hat sich am Ende noch blicken lassen. Das absolute Highlight eines jeden Tauchgangs war allerdings jemand ganz anderes. Noch ganz zu Anfang tauchen wir gemütlich daher, als plötzlich von der Seite ein leises „Hey Dude“ kommt. Und tatsächlich: Rechts unter uns entspannt eine riesige Schildkröte. Ich kann ehrlich sagen, dass nicht viel das Gefühl übertrumpfen kann mit einer echten Schildkröte zu schwimmen. Wobei „schwimmen“ sogar fast das falsche Wort ist. Es sieht fast so aus als würde dieses majestätische Wesen durchs Wasser „fliegen“, völlig unbeeindruckt von den staunenden Beobachtern, sodass man sogar auf wenige Zentimeter an sie heran kommen kann. Ein unglaubliches Erlebnis, was nicht…naja vielleicht doch. Es kann noch besser kommen.

Samstagnacht als wir eigentlich schon im Bett liegen müssen gibt es noch ein paar außergewöhnliche Pläne. Es ist stockduster. Nur der Mond gibt ein bisschen Licht in die kalte Nacht. Für uns der perfekte Augenblick für einen Tauchgang. Also gehen die Scheinwerfer an und wir machen uns an unsere Ausrüstung. Das grelle Licht gefällt allerdings nicht nur uns in der Nacht. Hunderte Fische kommen ans Boot geschwommen um das bisschen verbleibende Licht zu nutzen. Und hunderte Fische ziehen noch einen anderen Besucher an. Etwas Unruhe am Heck verrät mir, dass er schon eingetroffen ist: Ein Hai kreist zwischen den Fischen auf der Suche nach einem Fang. Gottseidank nur ein kleiner. Aber trotzdem wird mir etwas mulmig als ich am Bootsrand stehe, vor mir pechschwarzes Wasser und links von mir ein Hai auf der Jagd. Einmal tief einatmen und dann – Sprung. Voller Adrenalin geht es durch die Tiefen nur mit einer Taschenlampe als Lichtquelle in der Hand. Beim Tauchen sehen wir nicht viel aber beim Sicherheitsstop unterm Boot treffen wir schnell auf einen Hai. Und nicht nur einer, mindestens zehn Haie kommen immer mal wieder ans Boot geschwommen. Ein paar davon nur im Kleinformat, andere allerdings in erschreckenden Größen. Aber anscheinend nicht groß genug, denn die Haie haben keinerlei Interesse an uns und wir kommen ohne jegliche Bisswunden zurück an Bord! Wahrhaftig ein Abenteuer.

Die drei Tage auf dem Reef in Worte zu fassen sind wahrhaftig eine undankbare Aufgabe. Sachlich kein Problem, der zeitliche Ablauf auf dem Boot blieb ja schließlich überschaubar. Aber sobald dich das Wasser umschlungen hat, beginnt eine neue Welt mit neuer Zeitrechnung für die bisher noch nicht die richtigen Worte erfunden wurden. Viel besser als sämtliche Blogartikel dieser Welt ist also nur eine Reise nach Australien und ein Sprung ins Great Barrier Reef!

Way To The Sunshine

Nächstes Ziel der Reise: Noosa, der Perle der Ostküste und eine der schönsten Städte, die wir je gesehen haben!!! Noosa liegt direkt an einem Kilometer langen Sandstrand, der auf beiden Seiten von dschungelähnlichen Nationalparks mit wunderschönen Felsenküsten umrahmt wird. Die Brandung ist teils ruhig, teils ideal zum Surfen und an einigen Stellen im wahrsten Sinne des Wortes mitreißend. Unter strahlendblauem Himmel auf weißem Sandstrand tanken wir wieder auf, um danach wiedereinmal durch etliche Surferläden zu bummeln, immer auf der Suche nach neuen Schnäppchen. Am nächsten Tag ging es durch die Nationalparks entlang der Felsküsten, dann durch den Dschungel, mit offenen Augen immer auf der Suche nach Waranen und Echsen.
Die ganze Stadt wird unterteilt von kleinen Flüssen und Seen an deren Rand eine Villa neben der nächsten steht und spätestens jetzt war uns klar: Wenn man sein Lebensabend (oder natürlich auch gerne die jüngeren Jahre) ohne Arbeit und Sorgen in Noosa verbringen kann, dann hat man im Leben alles richtig gemacht.
Nach 2 viel zu kurzen Tagen ging es weiter auf unserer Reise entlang der Küste in Richtung Tin Can Bay.
Hat schonmal jemand ein wildes Tier gefüttert? Ich rede jetzt nicht von Tauben, Rehen oder irgendeinem anderen deutschen Wildtier.
Hat schonmal jemand ein wildes Meereslebewesen gefüttert? Nein, Enten zählen nicht.
Hat schonmal jemand einen wilden Delfin gefüttert? Wir haben´s!
Morgens um 6 Uhr klingelt unser Wecker auf einem Campingplatz in Tin Can Bay, denn um 7 Uhr erwartet uns DAS Spektakel dieses kleinen verschlafenen Örtchens: Jeden Morgen kommen wilde Delfine in die Bucht des Städtchens um ein kleines Früstück zu erlangen oder, wie die freiwillige Helferin uns erklärt, die Menschen zu studieren. Denn “Mystic” geht´s nicht um den Fisch, sondern um die Menschen. Keine andere Beschäftigung bringt ihr mehr Freude als das Studieren von diesen komischen unförmigen Dingern die jeden Morgen am Strand stehen und ihr Früstück ans Bett bringen.
Schnell waren Fotos und Videos gemacht, der Fisch verfüttert, ein Frühstückseis verzehrt und ab ging es weiter, raus aus der Metropole.
Nächster Halt: Bundaberg. Hier erwartete uns die Rumdestillerie der größten Schnapsbrennerei Australiens mit dem knuffigen Eisbär als Logo. Schnell war die Tour durchs Firmenmuseum mit anschließender Kostprobe gebucht und los ging der Spaß.
Naja, der Spaß ging erst etwas später los, da das Museum einfach nur billig, nichtsaussagend und langweilig war, aber die Kostprobe war umso besser. Nur schade das einer von uns noch zurück zum Campingplatz fahren musste.
Am nächsten Tag ging es weiter nach Rockhampton und später nach Mackay, zwei weniger spektakuläre Städte. Doch die Tage wurden geprägt von weiteren Stunden Autofahrt mit den Hörbüchern und der Vorbereitung für das Fotoshooting für Mary-John. Eine Reinigung und 7 Fotos später, wurde ein Steckbrief von unser treuen Begleiterin im Internet auf verschiedenen Autobörsen hochgeladen, um das nächste Kapitel in ihrer und unserer Lebensgeschichte in Angriff nehmen zu können.
Außerhalb von Mackay, ein paar Kilometer landinwärts, besuchten wir den Eungella-Nationalpark. Eine bergige Dschungellandschaft mit wunderschönen kleinen Flüssen, Wasserfällen und Bergseen an denen wir mehrere Stunden in einzigartiger Atmosphäre verbracht haben. Mehrere Stunden verbrachten wir am „Wheel of Fire“: Ein eisigkalter, aber klarer See mit einem wunderschönen Felsufer, einem tosenden Wasserfall und blendendgrünen Wald ringsum garniert mit einer brennenden Mittagssonne – hier konnten wir es echt aushalten. Ein wenig schwimmen, ein wenig am Rande des Wasserfalls in die Höhe klettern und viele Fotos und Videos später ging es weiter zum Broken Hill Creek, einem kleinem Fluss tiefer im Nationalpark. Hier sollte uns später am Abend kurz vor Sonnenuntergang eine Ehre zu teil werden, wie sie nur wenige erhalten und die wir uns nicht entgehen lassen wollten: Das beobachten eines Platypus, eines Schnabeltiers. Aber erst einmal mussten wir viel Geduld mitbringen. Über 2,5 Stunden in absoluter Ruhe mussten wir warten bis wir endlich einen dieser kleinen knuffigen Schwimmer im trüben Wasser erspäht haben.
Ich hätte immer gedacht, dass Schnabeltiere ca. einen Meter lang sind, aber wenn dann auf einmal ein ca. 40cm langes ausgewachsenes Platypus keine 3 Meter von dir entfernt durch den Fluss schwimmt und in regelmäßigen Abständen auf ganz lustige Weise abtaucht, ist man ein wenig erstaunt, aber vor allem froh endlich eines dieser kleinen Wahrzeichen in der australischen Wildbahn zu Gesicht zu bekommen. Ein sehr schönes Erlebnis für diesen ereignisreichen Tag. Aber das Beste sollte noch kommen: Nudeln mit Tomatensauce!!! Keine gewöhnliche Tomatensauce, sondern, wie wir uns geschworen haben, die letzte Tomatensauce in Australien – ein unglaublich guter Schwur, im Angesicht dessen, dass noch drei Wochen Ostküste vor uns lagen! ;-)
Keine 24 Stunden später folgte schon das nächste Abenteuer…. ich kann euch sagen, dass das Leben an der australischen Ostküste echt kein Zuckerschlecken ist. Ständig sieht man einmalige wilde Tiere, muss durch Surferläden bummeln, sich mit dem Surfbrett durch die Brandung kämpfen um nach der Anstrengung endlich am Strand unter Palmen in der Sonne zu liegen, immer auf der Suche nach Beschäftigung um dieser qualvollen Freizeit zu entkommen – DEFINITIV ein echt hartes und unangenehmes Leben. Doch am Anzac-Day (ein australisch, neuseeländischer Feiertag) fanden wir endlich mal eine angenehme Beschäftigung: Segeln und Schnorcheln zwischen den Whitsunday-Inseln, den südlichen Ausläufern des Great-Barrier-Reefs.
Und so ging es morgens um halb 8 los, auf zum Segelschiff „Derwent Hunter“, einem tasmanischen Schiff aus den 1930ern mit mehreren Weltumsegelungen auf dem Buckel, aber in bestechend gutem Zustand. Ich muss gestehen, dass uns vorm ablegen etwas mulmig war wie stark denn der Seegang wäre, der auf uns zukommen sollte, speziell nach unserem Kangoroo-Island-Fähren-Dilemma. Aber unsere Sorgen waren schneller vergangen, als ein Schwarm Regenbogenfische in einer Koralle verschwinden kann, was ziemlich schnell geht, wie ich im Nachhinein bezeugen kann.
So konnten wir beruhigt den Segeltörn zu unserem ersten Ziel, Black-Island, genießen, den Wind durch die Haare wehen lassen, die Sonne auf unsere Schultern brennen lassen(was natürlich direkt einen Sonnenbrand für einen von uns dreien bedeutete), uns im Segel hissen versuchen und zwischenzeitlich sogar das Steuer des „Derwent Hunters“ übernehmen um uns unserem Ziel näher zu bringen.
Kaum haben wir den Anker gesetzt und die Erklärungen ungeduldig abgewartet, ging es ab ins Wasser. Ein unglaubliches Erlebnis: Hunderte Fische, die um uns herum schwirren, lebloswirkende Seegurken die unbeweglich auf dem Grund des Ozeans liegen und Korallen in allen erdenklichen Größen, Farben und Formen. Jeden Meter den man schwamm gab es Neues zu sehen und so ist es nicht verwunderlich, dass wir sehr überrascht waren, als man uns nach gefühlten 10 Minuten, aber objektiven 60 Minuten, zurück aufs Boot holte.
Eine weitere Session, an einem zweiten Schnorchelspot entlang einer wunderbaren Sandbank, auf der just eine Hochzeit dem Ende entgegen kam, gab noch mehr Impressionen vom Reef, aber als 2 Mitschnorchlerinnen nach dem Tauchgang von Schildkröten berichtet haben die uns entgangen sind, konnte man vermutlich einen ganz kurzes Funkeln von Enttäuschung in unseren Augen sehen. Aber als es zurück auf dem Boot ein wunderbares Mittagsbuffet gab waren alle Sorgen schnell vergessen und wir konnten den Rückweg ans Festland mit vollen Zügen genießen.
Ein echt einmaliger Tag, mit ganz besonderen Impressionen vom Great-Barrier-Reef, die nur schwer zu übertreffen sind. Außer vielleicht durch einen 5 tägigen Tauchkurs im Reef den wir in Cairns starten werden – aber dazu später mehr ;)

Auf den Spuren des Crocodile-Hunter

Als ich damals gefragt wurde, was ich in Australien unbedingt machen möchte, war ein Punkt ganz oben auf der Liste: der “Australia Zoo”! Aber bevor ich zu diesem denkwürdigen Ereignis komme, wartete nach Byron Bay noch ein anderer Schauplatz auf uns.
In Byron Bay selbst hat man schon viel von dem sagenumwobenen Ort Nimbin gesehen und gehört, daher konnten wir drei uns es natürlich nicht nehmen lassen, diesen auf unserer Tour ebenfalls aufzusuchen.
Schon der Weg dahin, bei dem uns unser Navigationsgerät gekonnt über Schotterstraßen und Feldwege geleitet hat, ließ in uns das Gefühl aufkommen, in der Zeit gereist zu sein. Oder wenigstens ganz weit weg von der Touristengegend in Küstennähe. Zwischen den vielen Feldern und Wäldern tauchten ab und an kleine verlassene Orte, bzw. Ansammlungen von Häusern, auf. Ehe wir uns versahen, fanden wir uns schon in unserem Zielort Nimbin wieder. Der Ort, welcher eigentlich nur aus einer ca. 200 Meter langen Hauptstraße besteht und ungefähr 300 Einwohner hat, versprühte sofort einen ganz eigenen Charme. Und auch wenn wir die Zeit nicht miterlebt haben, fühlten wir uns irgendwie in die 60er zurückgeworfen. Überall gab es kleine Läden mit bunten Tüchern, Dingen die ich einfach mal als “Krimskrams” beschreiben möchte und noch vielem mehr. Besonders interessant war ein Laden der sich “The Gorgeous Joint” nannte. Ich denke, dass kann ich unkommentiert lassen. Oder vielleicht auch nicht. Der Reiz an dieser Stadt ist nämlich genau das! Als vor einigen Jahren ein Hippie-Musikfestival von der Polizei abgebrochen und ein paar Besucher dieses Festivals eingesperrt wurden, machten die restlichen Musikfreunde mit einer friedlichen Demonstration vor der Polizeistation auf sich aufmerksam. Da die Polizei offensichtlich nicht mit so vielen Menschen umgehen konnte, wurden kurzerhand die Gefangenen freigelassen UND der Gebrauch von weichen Drogen (Marihuana) legalisiert. Nimbin ist damit der einzige Ort Australiens, der den Handel und Konsum von Cannabis duldet. Und genau das durften wir auch am eigenen Leib erfahren, denn während wir uns die Museen und Lädchen anschauten, kamen wir an einigen sehr entspannt wirkenden Menschen vorbei, die sich fröhlich kiffend in den Straßencafés unterhielten. In den 45 Minuten in denen wir also durch den Ort schlenderten, wurden wir sage und schreibe 12 Mal gefragt, ob wir nicht zufällig Gras oder Cookies kaufen möchten. Dankend lehnten wir natürlich ab ;)

Noch völlig in Gedanken von dieser Zeitreise, setzten wir unsere Reise fort. Begleitet von einem wirklich tollen Hörbuch und der Stimme von Katniss Everdeen (“Freundschaft, die kann nicht so gut aussehen!” (Zitat N.K. aus K.)), kamen wir unserem Ziel, dem alten Arbeitsplatz des Crocodile-Hunters Steve Irwin, näher. Schon einige Kilometer zuvor wurde mit großen Schildern die Vorfreude auf ein unermessliches Maß getrieben.
Als Nils mir vor ein paar Monaten unter die Nase gerieben hatte, dass er mit Svenja den Zoo besucht hat, hätte ich vor Neid sterben können. Und dann war es endlich soweit. Die Parallelstraße des Highways, die uns zum Ziel führen sollte, wurde schon nach diesem Kindheitshelden benannt. Ich lüge nicht, wenn ich sage, dass dieser Zoobesuch nur aus Highlights bestand. Direkt nach dem Eintritt wurden wir von einem Kookaburra begrüßt, einer heimischen Vogelart von der Größe eines Spechtes, welche für ihren Gesang bekannt ist. Dieser hört sich wirklich so an, als ob die Vögel lautstark lachen würden. Und prompt wurden auch wir von dem putzigen Tierchen ausgelacht. Nils ließ es sich nicht nehmen, mit seinem Star ein Foto zu machen. Neben diesem verrückten Vogel gab es noch die Möglichkeit ein Krokodil zu streicheln, und ich muss sagen, ich hatte mir diese schuppige Haut wirklich ganz anders vorgestellt, denn sie ist wirklich weich und nicht rau wie ich es gedacht hätte. Neben dem Kookaburra erwartete uns auch schon die erste kleine Show. In einem recht abgelegenen Gehege wurden drei vollkommen aufgedrehte Otter gefüttert. Für uns war es wie eine Einstimmung auf das, was uns bei der großen Hauptshow erwarten würde, denn schon bei diesen drei quirligen Damen konnten wir uns denken, wie gut dieser Zoo mit den Tieren umgeht und wie überzeugt das komplette Team von den Vorstellungen des Crocodile-Hunters ist. Selbst ein Bereich für von Autos angefahrene Kookaburras gab es! An diesem Ort wird Tierschutz noch groß geschrieben.
Nachdem diese Raubtierfütterung gelaufen war, überlegten wir uns, welche Tiere als nächstes unsere Aufmerksamkeit erhalten sollten. Unsere Wahl fiel auf die Krokodile. Diese beeindruckenden Großechsen erhielten den größten Teil des Zoogeländes… könnte evtl. an Steve Irwins Spitznamen liegen ;) . Teilweise alleine, zum Teil aber auch mit mehr als 5 Tieren lagen die kleinen Dinosaurier in ihren Wasserlöchern und ließen sich von Nichts aus der Ruhe bringen, aber da sollten wir uns später noch vom Gegenteil überzeugen lassen. Die Nachbarn der Krokos haben uns aber eher angesprochen. Auf ein paar Ästen dösten ca. 10 Koalas vor sich hin. Ein tolles Bild, da man diese fantastischen Tiere sonst nur auf hohen Bäumen sieht, und nicht wie hier im Zoo auf Augehöhe. Einige waren sogar wach, was wirklich nicht oft vorkommt, da sie über 20 Stunden pro Tag schlafen, und haben sich genüsslich gekratzt oder ganz entspannt über die Eukalyptusblätter hergemacht. Uns fesselten die Schlafmützen eine ganze Weile und der Höhepunkt dieses Momentes war eindeutig ein Koala, der beim Greifen nach einem Eukalyptusast eingeschlafen ist. Der Wille Einen von ihnen mit nach Hause zu nehmen wurde unmenschlich ;)

Doch da wir zur Hauptshow pünktlich sein wollten, mussten wir schweren Herzens die Gruppe verlassen und uns auf den Weg in die Arena machen. Und Arena ist hier wirklich das richtige Wort. In der Mitte der hohen Tribünen findet sich ein kleines Wasserloch mit einer Kanzel. Einige Besucher waren schon vor uns da und haben sich Schattenplätze gesichert. Doch auch für uns waren noch welche da :) Und dann ging es los! Doch bevor die Hauptattraktion die Bühne betreten durfte, wurde mit einer spektakulären Vogelshow die Menge angeheizt. Mehrere Aras, Adler und andere kleine Vögel deren Namen ich nicht kenne, flogen nur wenige Zentimeter über unseren Köpfen hin und her. Auch ein Kondor, der größte Raubvogel unseres Planetens, gab sich die Ehre und flog seine Runden über der Arena um kurz darauf in ebendieser zu landen um seine Belohnung, ein großes Stück Fleisch, aus einem nachgebauten Skellet abzuholen. Dann kamen das Krokodil!
Angelockt von Vibrationen im Wasserbecken kam es langsam und bedrohlich auf den Pfleger zu, welcher einen Balanceakt zwischen Anlocken und In-Sicherem-Abstand-sein vollzog. Im Wasser sind diese Tiere unglaublich schnell und gefährlich, doch an Land ist ihnen ihr massiger Körper mit dem Schwanz nicht mehr, als nur ein Hindernis. Von daher ist man 2-3 Meter vom Wasser entfernt sicher. Gut, dass der Pfleger mit dem Ungetüm von fast 4 Metern häufig auf Tuchfühlung gegangen ist… Er ließ es mehrfach vor sich aufsteigen, damit es sich das Fleisch aus seiner erhobenen Hand reißen konnte. Zur Krönung dieser Aktion, und der ganzen Show, stellte sich der tollkühne Mann auf die Kanzel, welche sich über dem Wasserloch befand, und versuchte, das Krokodil dazu zu bringen, aus dem Wasser hochzujagen um an den Köder zu gelangen. Nach kurzer Zeit gelang ihm dies auch. Das Krokodil stieg mehrere Meter aus seinem Königreich und schnappte mit einem lauten “Plop” nach dem Fleisch.
Und wieder wurden wir von unserem Zeitplan zum weitergehen bewogen, doch nicht ohne Hauke mal wieder in der Menge zu verlieren :D Auf uns wartete etwas, auf das ich mich schon seit langer Zeit gefreut hatte, ein Bild mit einem Koala auf dem Arm! Da man über Geld nicht spricht, sage ich einfach nur, dass man auch mal investieren muss :D
Die Schlange für das Foto war bei unserem Erscheinen schon relativ lang, aber das schreckte Hauke und mich nicht ab und wir stellten uns fest entschlossen hinten an. Und dann war es endlich soweit, von einer Pflegerin wurde uns nacheinander der leicht verschlafen dreinschauende Koala namens “Mackenzie” auf den Arm gesetzt, und sofort kuschelte er sich an uns ran und krallte sich in unseren Bäuchen fest. Dieses fantastische Ereignis war jedoch so schnell wieder vorbei, dass Nils nachher sagte, dass wir wirklich sehr verunsichert und ungläubig ausgesehen hätten. Das kann ich mir gut vorstellen, da ich bis heute immernoch nicht wirklich glaube, dass ich ein Koala auf dem Arm halten durfte!
Unser Weg führte uns danach in die neueröffnete Afrika-Welt. Hier wollten wir Elefanten füttern, doch da wir bis dahin noch ein wenig Zeit hatten, zog uns das Tigergehege in den Bann. Zum Glück kamen wir noch rechtzeitig, um einen Teil der Tigershow zu bestaunen. Die Tierpfleger hielten den großen Katzen an Stöcken befestigte Bälle hin, mit denen die Kätzchen auch prompt anfingen zu spielen. Einer der Dompteure warf seinen Stock so hoch in die Luft, dass der Tiger, welcher nach dem Stock sprang, locker hätte auf seinen Schultern landen können.
Das Gehege der Tiger war so aufgebaut, dass die Besucher, welche hinter einer Glasscheibe zuschauten, auch in das Wasserbecken der Tiger schauen konnten. Und als kleinen Thrill warf der Tierpfleger seinen Stock in die Richtung der Scheibe ins Wasserloch. Der Tiger ließ sich nicht lange bitten und sprang mit einem gewaltigen Satz hinterher. Für einen kurzen Augenblick vergaßen wir die Glasscheibe zwischen uns und dem Raubtier, der Anblick eines Tigers, welcher in Angriffshaltung auf einen zugesprungen kommt, und dann mit einem großen Platscher im Wasser landet, ist wirklich respekteinflößend.
Die Schlange vor dem Elefantengehege machte uns bewusst, dass es bald mit der Fütterung losgehen würde. Wir reihten uns also ein und ließen die obligatorische Sicherheitsbelehrung über uns ergehen, denn der Rüssel eines Elefanten besteht aus 200kg purem Muskel. Da kann man versehentlich schonmal eine Ohrfeige bekommen ;) Wir blieben unverletzt und durften dem Grauen jeweils ein Stückchen Obst geben.
Und welches Tier darf in Australien auf keinen Fall fehlen? Genau, das Känguru!
Der Australia Zoo bietet ein riesiges Freilauf-Gehege für das Nationaltier Australiens und das beste daran ist, dass die Besucher ebenfalls in dieses Gehege dürfen! Wir konnten also in aller Ruhe unsere Streicheleinheiten verteilen, uns neben die sich sonnenden Hüpfer legen oder sie füttern, denn vor Menschen haben die schon lange keine Angst mehr :)

All’ die anderen Tiere noch zu erwähnen würde wirklich den Rahmen sprengen, obwohl es jedes Einzelne verdient hätte!
Ich denke in keinem Zoo der Welt kommt man den Tieren so nah wie in diesem. Danke Steve Irwin!

“Here Comes The Sun”

Fünf Uhr in der Früh. Die Beatles spielen „Here Comes the Sun“. Dieses eigentlich so liebliche Lied performen sie nur für uns zwei Monate lang jeden Morgen. Es ist Haukes Wecker.  Wir stehen auf. Sechs Scheiben weißes Toast müssen als Frühstück reichen. Zehn Stunden harte Arbeit warten. Wobei es bei harter Arbeit auf die Definition ankommt. Zehn Stunden mit einem Wasserschlauch durch die Gegend laufen. „Look Busy“. Definitiv harte Arbeit. Eine Beschäftigung die in Australien mit 300 Dollar pro Tag entlohnt wird. Abends ein paar Nudeln und dann ins Bett. Die Augen zu, bis die Beatles wieder spielen.

Es ist erst knappe zwei Wochen her, dass unser Alltag so aussah. Und so gerne ich die Beatles auch gemocht habe, bin ich doch froh, dass ihre Zeit nun vorbei ist. Wir müssen der Wahrheit ins Gesicht sehen. John Lennon weilt nicht mehr unter uns. Zeit loszulassen. Von ihm und natürlich vom morgendlichem Wecken, das schicksalhaft immer in einem Arbeitstag endete. Am 2 April hieß es also Abschied nehmen von Griffith. Ab an die Ostküste!

Zwei Monate Reisen verbleiben uns bevor es zurück in die Heimat geht. Als wir realisiert haben, wie kurz das nur noch ist war uns klar, dass wir alles mitnehmen müssen was wir noch erleben können. Gesagt, getan. 15 Stunden Fahrt bringen uns in das kleine Hippie Dorf Byron Bay. Dieser Ort ist eine pure Besonderheit in seiner ganzen Art. Man hat das Gefühl, dass die Menschen das Leben hier mögen während man so die Hauptstraße entlang geht, zwischen all den bunten Boutiquen und Surferläden. Einige machen Musik, an der anderen Ecke flechtet eine Frau bunte Stoffe in Frisuren und direkt vor uns steht ein Mann in pinker Hose mit Blumenband um den Hals der Hauke unbedingt sagen möchte, dass ihm seine Brille gefällt. Und genau in diesem Ort haben wir noch Einiges vor.

Schon am ersten Wochenende geht es spektakulär los. Aus dem Internet haben wir Karten für das alljährliche „Byron Bay Bluesfest 2012“. Wir kennen zwar nicht viele der Musiker, trotzdem verspricht das Festival tolle Atmosphäre mit vielen überzeugenden Liveacts. Ein Versprechen, das es halten wird. Denn selbst wenn wir nicht, wie normal, bei Konzerten bei jedem Lied mitsingen können, so ist es einfach diese typische Byron Bay Stimmung die hier herrscht. Vollkommen entspannt lauschen wir den neuen Klängen. Viele Bands haben wir gehört und Eine nach der Anderen hat uns überzeugt. Musikalische Höhepunkte erwarten uns bis tief in die Nacht: John Butler Trio, The Pogues und John Fogerty bereiten uns unvergessliche Nächte. Eine optimale Erholung von den gewohnten Beatles Klängen.

Gestärkt von drei Tagen überragender Livemusik sehen wir gleich dem nächsten Highlight ins Gesicht. Denn was wäre eine Reise nach Australien ohne einen vernünftigen Ritt auf den Wellen. Die Rede ist natürlich vom Surfen. Und da wir alle drei nicht die größten Erfahrungen in diesem Sport haben, holen wir uns professionelle Hilfe. In zwei Tagen Surfkurs sollte es wohl möglich sein auf einem Brett übers Wasser zu gleiten.

Doch was hier bei jedem so einfach aussieht, entpuppt sich als schwieriger als Gedacht. Die erste Stunde fallen wir mehr als das wir stehen. Und wenn wir stehen, dann so wackelig das der Anblick von uns bisher noch das spaßige Highlight des Kurses bietet. Das Wetter macht es uns nicht einfacher. Anders als die Tage zuvor schlägt es um und wir versuchen uns die ersten beiden Tage in Monsun ähnlichem Regen. Doch im warmen Meer lässt es sich trotzdem aushalten. Nach etwas Zeit wird das Board unter den Füßen vertrauter und aus Unsicherheit wird langsam Spaß. Spaß der sich nachher gar nicht mehr in Grenzen halten kann. Ich dachte mir vorher schon, dass es sich ja irgendwie lohnen muss, sonst würden nicht so viele Leute mehrere Minuten gegen starke Strömungen ankämpfen um dann knappe 30 Sekunden eine Welle zu nehmen, aber das es sich so sehr lohnt hätte ich vorher nicht gedacht. Wir sind so überzeugt, dass wir kurzerhand den Campingplatz verlängern und uns auf eigene Faust für zwei weitere Tage Bretter ausleihen.

Nach vier Tagen sind wir vollkommen erschöpft. Den letzten Sonntag in Byron schlafen wir aus und erholen uns vom ganzen Sport. (Auch wenn manche Bewohner Byrons jetzt wütend werden- Surfen ist schließlich kein Sport. Surfen ist ein Livestyle!) Nur Max ist etwas enttäuscht, denn in der Stadt ist eine Hauptleitung für die Wasserzufuhr gebrochen und es gibt überall kein Wasser mehr. Max hat es verpasst vorher noch die Dusche zu erwischen. Grund genug weiter zu fahren.

Über zwei Wochen sind wir nun schon Unterwegs. Die Ostküste bietet Abwechslung pur und wir genießen jeden Tag, als wäre es der Letzte in Australien. Und mittlerweile ist es auch nicht mehr John Lennon mit seinen drei Freunden, sondern die Scharen an Papageien und das Lachen der Kokaburras die uns Morgens aus dem Schlaf holen. Eine angenehme Alternative!

Der Große Preis von Australien

Motorsport als Leidenschaft ist echt ein hartes Hobby, das kann ich euch sagen! Jahrelang wurde ich belächelt, gehänselt und mein Leben war die Hölle….. ok, das ist jetzt vielleicht etwas übertrieben, das geb ich zu, aber ich lass das mal einfach aus dramaturgischen Gründen genau so stehen.

Es hat lange gedauert bis ich zumindest Einen überzeugt habe: Ein wenig jammern, ein wenig Zwang und ein kleines Tippspiel und schon war die Begeisterung für die Formel 1 auch in Nils Herzen erwacht.

Diese sensationelle Entwicklung hat vor kurzem ihren Zenit erreicht: Ein Besuch des Albert Parks in Melbourne zum Saisonauftakt der Formel 1 2012.

1 Uhr morgens weckt mich Nils nach seiner Nachtschicht damit wir die letzten Vorbereitung für einen einmaligen Tag in Angriff nehmen können. Brote sind geschmiert, Portmonee ist aufgefüllt, Tickets sind bestellt und das Wichtigste, RedBull-Dosen und Monster-Dosen (ich muss anmerken, ich habe natürlich ganz bewusst Monster ausgesucht, da dies Sponsor  von Schumacher und Rosberg ist) sind zahlreich im Rucksack verstaut.

Eine Stunde später sitzen wir im Auto und auf geht die Reise: siebeneinhalb Stunden Fahrt durch die neblige Nacht, 2 Stunden Schlaf für Nils, 2 Dosen Monster für mich und schon stehen wir topfit in der Warteschlange vorm Eingang!

Kaum eingetreten geht es direkt zu den Merchandising-Ständen der Teams. 2 Käppies für Hauke, das Programmheft, ein Schumi-T-Shirt für Hauke UND ein Red-Bull T-Shirt für Nils, das natürlich nur aus modischen Gründen gekauft wurde und nicht weil es ein Formel 1-Shirt ist. ;-)

Keine 50 Meter entfernt sieht man schon die ersten Ausläufer solch eines Motorsportevents: Der australische Ferrari-Club zeigt, was das Land zu bieten hat. Über 50 Ferraris aus allen Automobilepochen starten just in diesem Moment ihre Motoren um gemeinsam zu ihrer Demonstrationsrunde zu starten. Eilig suchen wir unsere Plätze auf der Schumacher-Tribüne in der letzten Schikane direkt am Boxengasseneingang und bestaunen die italienischen Schönheiten auf einem etwas anderen Catwalk. Gefolgt vom Porsche Carrera-Cup-Rennen vergeht die Wartezeit bis zum 3. Freien Training der Formel 1 wie im Flug und dann ist es soweit…

Erst Bilder auf der Leinwand, dann der unverwechselbare, gewaltige und einschüchternde Sound eines Formel 1 Aggregats (genauer gesagt ein Renaultmotor) und schon fährt ein ganz besonderer Fahrer keine 30 Meter von uns entfernt: Der Mann mit der Nummer 1, Sebastian Vettel.

60 Minuten Formel 1 bezaubern unsere Sinne und wieder einmal kann man nicht begreifen, dass die Fahrer, welche man jedes zweite Wochenende vor dem Fernseher anfeuert, nun so nah vor einem fahren, und durch ihre Fehler beweisen, dass es auch nur Menschen sind (Vielen Dank an Herrn Massa dafür ;) )

Nach der Formel 1 geht es direkt weiter mit den V8-Supercars, quasi die DTM Australiens, doch da wir bei diesen Niemanden kennen und auch der Sound enttäuschend leise war, brechen wir auf um weitere Teile des Geländes zu erforschen und auf mögliche Unterschriftenjagd zu gehen, welche uns leider verwehrt blieb, da wir außer Niki Lauda auf seinem Golfcaddy keine Prominenz zu sehen bekommen.

Pünktlich zum Qualifying der Formel 1 sitzen wir wieder auf unserer Tribüne und nachdem wir unsere Tipps auf die Pole-Position abgegeben haben und mit zwei weiteren Dosen Red-Bull angestoßen haben, geht es endlich los.

Wieder brüllen die Motoren und man kann sich des Genusses wegen nicht dazu bewegen seine Ohren durch Kopfhörer zu schonen.  Doch die Zeit vergeht im Flug und eine Stunde später steht fest, dass es heute nicht für die Deutschen reicht, denn Lewis Hamilton reißt den ersten Startplatz an sich. Für Sebastian reicht es nur zu 6 und Schumi muss wieder einmal um den Einzug in die Top-10 kämpfen, aber dafür steht uns ein spannendes Rennen vor der Tür.

Das war es schon für uns. Ein Tag Krone des Motorsports und Glamour der Formel 1, aber nun heißt es wieder in die Realität namens Griffith zurückzukehren. Raus aus den Toren des Albert Parks, durch die Straßen Melbournes und beim Sonnenuntergang barfuß durch die Wellen entlang des St. Kilda Strandes in Richtung unserer „Mary-John“.  Ein kurzer Stopp bei Mäcces und los geht´s auf eine entspannte und ruhige Heimfahrt….

Denkste. Kaum sind wir eine Stunde gefahren und halten an einer Tankstelle irgendwo am Highway macht uns ein Truckfahrer glücklicherweise darauf aufmerksam, dass unser rechter Hinterreifen platt ist.  Wie doof, dann wird das wohl nix mit dem ruhigen Heimweg.

Ein kurzer Blick in den Kofferraum: Puh, Glück gehabt wir haben einen Ersatzreifen, aber – Moment mal- der hat ja ´ne andere Größe. Irgendwelche kryptische Buchstaben und Zahlen auf der Reifenflanke lassen Böses erahnen. Erst einmal die Väter zu Hause anrufen um zu fragen, ob wir trotzdem weiter fahren können und folgende (sinngemäße) Antwort lässt nicht gerade hoffen: „Ich bin zwar kein Mechaniker und bin auch nicht so bewandert in der Reifenkunde, aber ich würde es euch nicht empfehlen. Ihr könnt maximal 10 Kilometer weit mit höchstens 30 km/h fahren, sonst verzieht sich das ganze Auto!“

Möp. 10 Kilometer in Australien­ – da kann man auch direkt stehen bleiben…. Flickzeug gibt´s leider auch keins in der Tankstelle, was nun???

Müssen wir den australischen ADAC anrufen, der uns teuer abschleppt und wir müssen den ganzen Sonntag damit verbringen einen teuren Mechaniker oder Reifenhändler zu finden, der uns das Geld lächelnd aus den Taschen zieht?

Vielleicht kann mein Onkel mehr sagen zu unserem Problem sagen, und siehe da, diese Antwort stimmt einen doch schonmal viel lockerer: „Ach was, das ist doch kein Problem. Die Felge ist zwar einen Zoll größer, aber bis Griffith kommt ihr damit auf jeden Fall. Und so lange Nichts schleift geht auch Nichts kaputt.“

Schon besser. Und während ich noch ein bisschen weiter mit meinem Onkel quatsche, wird Nils von zwei Australiern angesprochen, die sich (wie Australier nun mal so sind) nach unserem Problem erkunden und Fragen ob sie helfen können.  Ihre Antwort: „Warum sollte das ein Problem sein?! Ich würde den Ersatzreifen zwar nicht für immer drauf lassen, aber so ein paar Monate ist keine große Sache, und bis Griffith sowieso nicht.“

Perfekt. So wechseln wir zu Dritt den Reifen in Rekordzeit und fühlen uns fast wie eine professionelle Boxencrew die an Vettels Abbey(Spitzname des aktuellen Autos ;-) ) arbeitet.

Wir bedanken uns doppelt und dreifach bei unserem Helfer, der mit einem einfachen „No worries.“ Abwinkt und erzählt:“ Das ist doch eine Selbstverständlichkeit zu helfen. Wenn man selber in Problemen steckt, wünscht man sich doch auch, dass man Hilfe bekommt. Das sei doch in Deutschland auch so, oder?!“ Mmh, der gute Mann war wohl noch nicht in Deutschland ;-) .

Wie auch immer, nach diesem „kleinen“ unfreiwilligem Boxenstopp geht’s weiter. Erst noch wach, dann immer müder und müder. Die Bundesligainternetradiokonferenz hält uns wach und das späte Siegtor Gladbachs gegen Leverkusen gibt Nils noch genug Kraft um weiter zufahren.

In der Nähe von Wagga-Wagga gibt’s kurzes „Power napping“, sprich eine Stunde Schlaf und weiter geht die Reise.

Ich glaube die Uhr hat irgendwas von 7 Uhr in der Früh gesagt, als wir endlich in Griffith ankamen. Knappe 11 Stunden hat der Rückweg gedauert und wir beide fallen einfach nur ins Bett um endlich zu schlafen um am nächsten Tag beim Rennen mit neuer Kraft mitzufiebern.

Dieser Tag wird noch lange in unseren Gedächtnissen sein, und auch über diese langwierige und am Ende einfach nur ätzende Rückfahrt werden wir schon bald lachen können. Der erfüllte Kindheitswunsch die Formel 1 beim Saisonauftakt in Australien zu sehen, eine Reifenpanne und ganz viele Energydrinks sind doch die richtigen Zutaten für ein richtiges Männerwochenende, oder?

Vintage – Die Weinlese

Es war Anfang Oktober als wir gefragt wurden, ob wir an der Vintage in Griffith teilnehmen würden. Dabei handelt es sich um die Zeit der Weinlese, die in Australien ca. von Anfang Januar bis April geht.

Damals wussten wir nicht, was wir davon halten sollten, denn die Erzählungen haben uns auf der einen Seite etwas abgeschreckt, hörten sich auf der anderen Seite aber auch verdammt gut an. Es hieß, dass es sich bei den Jobs in der Vintage um die besten Jobs handele, die ein Backpacker machen könnte, da sie bei weitem am besten bezahlt würden! Jedoch sei diese Arbeit auch nicht ganz ungefährlich. Man müsse immer zu zweit arbeiten, da es sein könnte, dass die Person, welche sich gerade in einem Weintank befindet, um diesen zu reinigen, Hilfe von außen benötigen könnte, z.B. wegen zu geringer Luftreserven oder Ähnlichem.

Letzendlich war es der letzte Punkt, und die Tatsache das wir nicht so viel Zeit in dem Örtchen Griffith verbringen wollten, die uns davon abhielten diesen Jobs zuzusagen. Aber wie das nunmal als Backpacker in Australien ist, kann man hier so gut wie keine langfristigen Pläne schmieden! ;)

So trug es sich also zu Beginn dieses Jahres in Sydney zu, dass wir drei uns Gedanken um unsere weitere Reise machten. Auf der einen Seite stand das Argument mit dem möglichen Platz in der besagten Vintage, auf der anderen Seite aber war uns bewusst, dass wir, wenn wir diesen Job annehmen würden, ca. die Hälfte unserer Zeit in Australien in Griffith verbringen würden. Doch da die Stimmung zwischen uns und unseren Mitreisenden fantastisch war, weshalb wir diese Situation ungerne auflösen wollten, und der Ruf des guten Geldes mehr als laut klang, entschieden wir uns kurzerhand die anderen Arbeiterstädte links liegen zu lassen und in unsere australische Heimat Griffith zurückzukehren.

Als wir Cesar dann wiedersahen, welcher uns auch herzlich willkommen zurück geheißen hatte, sagten wir ihm sofort, dass wir gerne an der Vintage teilnehmen würden. Er versicherte uns, dass wir alle einen Platz in den Winerys ergattern würden. Zu dem Zeitpunkt war das Hostel auch schon voll mit Leuten, die alle an der Vintage teilnehmen wollten. Jedoch sollte es für uns einige Zeit dauern, bis wir endlich die Nachricht bekamen “Ihr seid in der Vintage!”

In dieser Zwischenzeit hieß es also die Kasse mit weniger gut bezahlten Jobs aufzubessern. Zu den Schmuckstücken dieser Tage zählten zum Beispiel die Ernte von Knoblauch, das Sortieren von mehreren Kilo schweren Kürbissen und Melonen, das Töten von Hühnern, und das Herausreißen von zu hohen Hirsepflanzen. Aber all das ließ uns nicht die Hoffnung verlieren, dass wir irgendwann wirklich in der Vintage arbeiten würden.

Als wir dann von Cesar die Nachricht ehielten, dass wir ein Training machen sollten, damit wir in den Weinkellereien angenommen werden würden, erwachte unsere Hoffnung erneut: “Bald ist es soweit!”, dachten wir uns.

Dieses Training sollte uns dazu ausbilden, die Weintanks zu betreten. Wir lernten in diesen drei Tagen also, welche Gase in diesen sog. “Confined Spaces” (dt.: beengte Räume) auf uns lauern könnten, welche Gefahren bestünden und wie wir diese beheben könnten. Zusätlich zu den theoretischen Aspekten kamen aber auch noch ein paar praktische Sachen hinzu, denn wir wurden mit der Verwendung eines Rettungsgeschirrs und einer Gasmaske inkl. Atemapperatur vertraut gemacht. Während dieser drei Tage kam uns dann hin und wieder der Gedanke in den Sinn, ob das wirklich das sei, was wir wollten, denn die Gefahren machten uns teilweise schon stutzig. Aber diese bösen Geister waren auch schnell wieder vergessen. Das Training gipfelte in einem kleinen praktischen Test, bei dem wir in voller Montur einen confined space betreten mussten, und eine Zeit darin verweilen sollten. Nachdem das alle mit Bravur gemeistert hatten, folgte noch ein theoretischer Test, ganz nach australischer Manier. Zu erst sollten wir die Fragen so weit wie möglich alleine bearbeiten, um dann zusammen mit unserem Lehrer die Fragen komplett richtig zu beantworten, da er uns die Lösungen gegeben hatte. Wir kamen uns ein wenig veräppelt vor :P

Eine weitere Hürde auf dem Weg zur Vintage war genommen!

Danach sollten wir jedoch erstmal wieder auf die Felder und dort arbeiten, denn der Sommer in Australien war in diesem Jahr nicht warm genug, um die Trauben zeitig reif zu bekommen (es kam uns ehrlich gesagt nicht wirklich kalt vor :P ).

Doch irgendwann ist auch unsere Geduld erschöpft, und wir setzten uns eine Deadline: “Wenn wir in zwei Wochen keinen Job in der Vintage haben, reisen wir weiter!” Und als ob Cesar von unseren Vorhaben gehört hat, kam er ein paar Tage später mit der lang ersehnten Nachricht: “Ihr fangt nächste Woche an in der Winery zu arbeiten.”

Wir fingen also endlich alle in der gleichen Winery an zu arbeiten. Nils erhielt eine Stelle in der Nachtschicht, Hauke und ich wurden Teil des Tagschicht-Teams. Wir alle arbeiten in verschiedenen Bereichen und haben somit verschiedene Aufgaben.

Ich zum Beispiel arbeite in der sog. Press-Area. Hier werden die Trauben, welche zuvor von Trucks in große Tanks geladen wurden, gepresst, sodass nurnoch der gute Traubensaft übrig bleibt. Meine Aufgabe ist hier das ausleeren der Tanks, mit anschließendem Reinigen und das hinzugeben von Chemikalien, die das Gärverfahren einleiten sollen. Alles in allem nicht wirklich kompliziert ;) Und das Reinigen der Tanks, welches mir zuvor Kopfzerbrechen bereitet hatte, ist in Wirklichkeit keine große Aktion. Bewaffnet mit Funkgerät, Gasdetektor und Wasserschlauch mache ich mich Tag für Tag auf, um die Tanks von Traubenüberresten zu befreien, damit sie direkt danach wieder mit neuen Trauben befüllt werden können. Das schwierigste bei meinem Job ist eigentlich nur das Verstehen der Australier über die Funkgeräte. Manchmal denke ich, ich sei in einem Actionfilm, wenn beispielsweise Anweisungen mit einem lockeren “Roger that!” bestätigt oder meine Aufmerksamkeit mit “Do you copy Chris?” geprüft wird.

Leider ist dieser Job bald vorbei, denn wie ihr bestimmt mitbekommen habt, gab es hier in Griffith und Umgebung ein wenig Regen. Vorneweg: Uns geht es gut! ;)

Wir haben ehrlich gesagt nicht wirklich viel von den Wassermassen mitbekommen, obwohl um Griffith herum einige Ortschaften evakuiert werden mussten. Das einzige was wir gemerkt haben, war, dass die Supermärkte ein paar Lieferengpässe hatten, so gab es beispielsweise eine Woche lang kein Brot. Das, und die Tatsache, dass unsere Traubenlieferungen ins Wasser gefallen sind, wodurch so manch andere Winery ihren Betrieb für eine Zeit lang einstellen musste. Im Anhang findet ihr ein paar Bilder vom Wasser ;)

Das war es erst einmal von der anderen Seite der Welt! Freut euch auf den nächsten Artikel, welcher u.a. von diesem Wochenende handeln wird ;)

There and Back Again.

Es ist noch nicht allzu lange her, da war ich einer der größten Reisemuffel den die Welt je gesehen hat. Oder halt eben nicht gesehen hat. Grund dafür könnte unter anderem sein, dass ich meine Urlaube in Deutschland oder dem kleinen aber feinen “Land” Holland verbracht habe. “Was gibt es woanders auch groß zu sehen”, habe ich mir gedacht. Und so vergingen die Sommermonate in meinem Leben an den Küsten der Käseroller, ohne dass mich das auch nur irgendwie gestört hat. Das Folgende zu erwähnen ist übeflüssig, aber tatsächlich muss ich sagen: Ich habe mich verändert. Und wenn ich jetzt gerade ans Reisen denke, dann fällt es mir schwer etwas zu finden, was einem Menschen noch besser tun kann als eine ordentliche Reise.

Am zweiten Januar des neuen Jahres beschlossen Svenja und ich unsere Reise entlang den Stränden der Ostküste zu beginnen. Hinter mir liegen zu diesem Zeitpunkt schon fast zwei Monate eines grandiosen Roadtrips durch halb Australien und die Jungs liegen nur zu gut mit ihrer Entscheidung zurück nach Griffith zurückzukehren um das Konto wieder etwas zu füllen. Denn bei aller Liebe – Reisen ist teuer. Aber wann bekommt man schon einmal die Chance mit der Freundin zusammen die Küsten Australiens zu erkunden? Und auch wenn ich jetzt gerade ebenfalls zurück in Griffith bin, auf der Suche nach dem fehlenden Geld in meinen Hosentaschen, weiß ich, dass ich diese Entscheidung nie bereuen werde!

An diesem Tag begannen wir also unsere Reise in auch für mich noch unbekannte Territorien. Etwas beruhigend fand ich dann doch, dass selbst für Svenja, die schon gefühlt auf der ganzen Welt war, all diese Eindrücke neu waren. Angesteckt von ihrer Reiselust, hatten wir direkt ein weit entferntes, aber auch packendes Ziel, auf das ich mich schon lange gefreut habe: Der Australia Zoo – Heimat des Crocodile-Hunters. Abgelenkt von unserer langen Fahrt aufwärts des endlosen Highways zu der alten Heimat von Steve Irwin, wurden wir von einem kleinen Detail am Straßenrand, dass den Zoo schon fast überflüssig macht. Wenige Meter neben der befahrenen Straße tummelte sich ein Rudel Kängurus auf einem Golfplatz. Trotz aller “betreten Verboten”-Schilder ließen wir es uns natürlich nicht nehmen auf den Rasen zu springen und uns den heimischen Tieren bis auf wenige Meter zu nähern. Da wir vor einem Rudel standen, hüpften sie nicht davon und nach einigen Annäherungsversuchen fanden wir uns plötzlich inmitten dieser Scharen von Beuteltieren wieder. Ein überragendes Bild und Erlebnis, dass ein Zoo nicht zu bieten hat. Und trotzdem überzeugte dieser durch eine beeindruckende Krokodilshow der legendären Familie Irwin, einem Streichelzoo mit Kängurus und vorallem durch ein Foto, bei dem Svenja einen Koala auf den Arm nehmen durfte. Alles Erinnerungen, die bleiben. Und unsere Reise hatte gerade erst begonnen.

Von was erzählt man wenn man so viel erlebt hat? Eine Sache darf ich wohl nicht vergessen. Eines der größten Highlights der vergangenen Wochen, dass ich wohl nie vergessen werde, war der Sprung aus einem vier Kilometer hohen Flugzeug. Von alleine hätte ich so etwas gewiss nie gemacht, aber auf das Drängen von Svenja buchten wir also in der Nähe von Rainbow Beach einen Fallschirmsprung über Fraser Island, der größten Sandinsel der Welt. Heute bin ich Svenja dankbar für diese Entscheidung. Ein Erlebnis, was ich jedem nur dringlichst empfehlen kann.

Und wenn man schon einmal an der Ostküste ist, darf eine kleine Schnorcheltour am Naturweltwunder “Great-Barrier Reef” natürlich nicht fehlen. Gesagt – getan. Wenige Tage nach unserem waghalsigen Sprung ging es also mit einem (meiner Meinung nach viel zu wackeligen Schiff) in Richtung der Sandinsel Lady Musgrave, die umgeben ist von den wunderschönen Korallen des Riffs. Ein schneller Sprung in das türkis klare Wasser und schon waren wir in einer ganz anderen Welt. Umgeben von Fischschwärmen ließen wir uns staunend durch die farbenfrohen Korallen treiben, begleitet von Nemo und anderen bekannten Fischen, von denen wir nie gedacht haben, sie einmal nur wenige Zentimeter vor unseren Augen daherschwimmen zu sehen. Seelenruhig, als wären wir Teil ihrer großen Familie. Und als wäre das nicht genug, plötzlich wie aus dem nichts, guckt uns von unten auf einmal eine riesige Meeresschildkröte an, die wir mehrere Minuten auf ihrer eleganten Reise durch die Tiefen begleiten konnten. Danach war das Auftauchen und die Rückkehr in die Welt über dem Meeresspiegel schon fast ernüchternd. Fast 4 Stunden unter Wasser vergingen wie im Flug und unsere Haut sollte uns in ihrer schrumpeligen und knallroten Verfassung für den Rest des Tages an das Erlebte erinnern.

Zu viel ist passiert, um alles zu erzählen. Ob es nun eine Fütterung von Delphinen am Strand, eine kuriose Begegnung mit einer Schlange, das Beobachten einer riesigen Schildkröte, die bei Nacht an die Küste kommt, um ihre Eier zu legen, eine Wanderung mitten durch den Urwald oder einfach nur die atemberaubenden Strände waren – alles hatte seinen eigenen Wert und ist für jeden Reiselustigen eine Empfehlung.

Das Traurige an jeder Reise ist jedoch, dass sie viel zu schnell vorbei ist. Kaum versieht man sich, sitzt man schon wieder im Auto oder Flieger nach Hause. Und dennoch ist das was bleibt das Wertvollste einer Reise. Denn diese drei Wochen halten ewig an. Wenn ich daran denke, dass ich jetzt sogar noch Details von Urlauben weiß, bei denen ich sechs Jahre alt war, muss ich schmunzeln und mich fragen, was für Spuren dieser Urlaub, geschweigedenn neun ganze Monate in Australien für Spuren hinterlassen.

Der Abschied fiel uns natürlich nicht leicht. Und dennoch hat uns dieser Urlaub genug gegeben, an dem wir uns in den nächsten vier Monaten noch gemeinsam erfreuen können. Auch über die Distanz. Zur Erleichterung der Situation und des Rückfluges gab es für Svenja noch das allmonatliche Lied. (hier)

Versunken in Gedanken ging es dann für mich los. 15 Stunden Fahrt nach Griffith. Back again. Und auch wenn Max, Hauke und ich jetzt schon fast fünf Monate aufeinander hängen, so muss ich doch sagen, dass das Wiedersehen mit den beiden mir viel bedeutet hat. Unter den Erfahrungen zusammengeschweißt heißt es dann jetzt erst einmal hart arbeiten, bevor in geraumer Zeit schon die nächste große Reise auf uns drei wartet.

 

 

Zusätzlich zu den Bildern gibt es diesmal auch noch eine Sliedshow, die mir Svenja zum Geburtstag gemacht hat. hier klicken!